Wenn ich über die italienische Riviera berichte, so gerate ich immer ins Schwärmen. Seit Jahren komme ich her und das wieder und wieder mit neuem Entdeckerdrang, hat die Küste doch so viel zu bieten. Und das nicht nur an der direkten Küstenlinie, sondern besonders auch im Hinterland.
Allerdings stelle ich fest, egal wie oft ich in meinem Bekanntenkreis von diesem bezaubernden Stück Erde berichte, dass ich in fragende Gesichter blicke, wenn ich von Orten wie Ventimiglia, Noli, Albisola, Santa Margherita, Levanto oder Portovenere erzähle.
Während man schon so viel von der französischen Riviera und vor allem der Côte d’Azur gehört hat, scheint die italienische Riviera trotz ihrer Schönheit offenbar viel weniger bekannt zu sein. Dabei schmiegt sich der über 300 Kilometer lange Küstenstrich, den manche sogar als einen der schönsten Küstenabschnitte der Welt bezeichnen, so schön an der Meereslinie entlang (wie ein Croissant) und bietet mit seiner Blütenpracht und seinen azurblauen Buchten die perfekte Urlaubskulisse.

Damit die italienische Riviera ein wenig an Bekanntheit gewinnt, möchte ich folgend gerne beschreiben, was genau mich daran so begeistert. Meine Lieblingsorte und dabei vornehmlich ihre Strände führe ich dabei vom äußersten Osten bis zum äußersten Westen auf. Doch zunächst
Ein paar generelle Informationen
Die italienische Riviera entspricht der Küstenlinie der ligurischen Küste Italiens. Diese teilt sich (von West nach Ost) in drei Provinzen und eine Metropole auf: Imperia, Savona, Genua (Metropole) und La Spezia. Im äußersten Westen beginnt sie direkt an der französischen Grenze in Ventimiglia und endet im Osten bei der Bucht von La Spezia. Geografisch teilt sie sich zudem in die West- und Ost-Ponente – die westliche Riviera Pontente (von Ventimiglia bis Genua) und die östliche Riviera Levante (von Genua bis La Spezia).
Vom Westen in Richtung Osten
Wenn man von West nach Ost die italienische Riviera entlangfährt, wechselt das Bild und auch die Vegetation ein wenig. Ist die blütenreiche westliche Seite bunt und grün, so ist die östliche Seite zwar ein wenig schroffer und steiler, aber vom Licht und den Sonnenuntergängen noch ein wenig farbtiefer.
Neben vielen kleinen Orten und Dörfern gibt es ein paar größere Städte wie Sanremo, Imperia, Savona und La Spezia sowie die Metropole Genua, die einst das Finanzzentrum Italiens stellte und die Entdecker wie bspw. Christopher Columbus und Andrea Doria beheimatete. Neben den großen Häfen Genua, Savona und La Spezia gibt es natürlich auch viele kleine, aber feine Yachthäfen oder Marinas. Das maritime Flair ist damit quasi allgegenwärtig und macht letztlich auch den Charme der gesamten Region aus.
Im Hinterland der italienischen Riviera, das vermehrt von vielen kleinen, mittelalterlichen Orten geprägt ist, wechselt der Anbau von vornehmlich Oliven zu Wein. Beide Regionen sind für Italien bedeutende Anbaugebiete. Während die Gegend um Imperia zu den wichtigsten Olivenanbaugebieten Liguriens zählt, sind die Weine aus der Region der Cinque Terre heute von einer guten Weinkarte nicht mehr wegzudenken.
Und so ist es letztlich egal, von wo man startet, ob von West nach Ost oder von Ost nach West, beide Abschnitte haben ihren ganz besonderen Reiz. Ich habe mich für diese Variante entscheiden und starte damit in
Ventimiglia

Ventimiglia liegt direkt an der ‚Blumen Riviera‘, der ‚Riviera dei Fiori‚. Ihren Namen trägt sie zum einen aufgrund der charakteristischen Blumenfelder und Blumenmärkte, zum anderen auch weil der Reichtum an Rosen, Begonien, Nelken und Kamelien, Zitronen- und Orangenbäume sowie Oleander und teilweise auch Rhododendren das Flair dieses Riviera-Abschnittes ausmacht. Ihr Duft ist hier fast allgegenwärtig.
Doch neben den wundervollen Blumen hat Ventimiglia noch einen kleinen, versteckten Kieselstrand zu bieten. Nur wenige Meter von der französischen Grenze entfernt versuchen Touristen an einem Strandabschnitt mit kristallklarem Wasser eine der begehrten weißen Liegen unter Sonnenschirmen zu ergattern. Wer Glück hat, kann sich auf einen entspannten Strandtag freuen und sollte, falls vorhanden, dazu in keinem Fall die Taucherbrille vergessen.
Alassio

Alassio ist einer der seit Ende des 19. Jhd. angesagtesten Badeorte der Riviera. Hier erhält man das Urlaubsgefühl der 80er Jahre quasi gratis. Und das hat seinen Grund. Denn Alassio hat (und das ist an der italienischen Riviera nicht immer der Fall) einen feinkörnigen 3 km langen Sandstrand, der sich in zahlreiche ‚Bagni‘ einteilt. Diese sind in der Hochsaison zumeist von Familien bevölkert, doch wenn man nicht unbedingt im Juli und August reisen muss (wir waren im Juni dort), der findet ein Badeparadies.
Wer sich lieber durch die Altstadtgassen treiben lassen möchte, der sollte in Alassio neben einem Espresso in einer der zahlreichen Bars unbedingt auch die leckeren ‚Baci di Alassio‚, die ‚Küsse aus Alassio‘ genießen. Das traditionelle Gebäckstück besteht aus einem lockeren Teig, der mit gemahlenen Haselnüssen und Kakao hergestellt wird, und ist mit einer Füllung aus dunkler Schokoladen-Ganache gefüllt. Als Gruß von der ligurischen Küste ist es ein perfektes Mitbringsel.
Isola Gallinara

Bereits ein paar Kilometer weiter liegt in der Nähe von Albenga die kleine ‚Isola Gallinara‚. Ein Ausflug mit dem Boot zu der kleinen Insel lohnt sich. Allerdings ist es nicht erlaubt, dort anzulegen, denn die als regionales Naturreservat geschützte Insel ist von einer üppigen mediterranen Vegetation mit mehr als 200 Pflanzenarten bedeckt und beherbergt eine der größten Nistkolonien der Herings Möve im ligurischen Meer. Man kann sie besonders gut vom ‚Baba Beach‘ aus betrachten, einem Strandabschnitt mit vielen Strandcafés und Restaurants.

Noli
Die dem Mittelalter entstammende Stadt Noli war einst der Sitz der alten gleichnamigen Republik. Bei einem Stadtbummel kann man noch viele erhaltene Gebäude und auch vier der bekannten Türme und Tore erblicken. Noli hat bezaubernde schattige Gassen, die immer wieder auf ebenso bezaubernde kleine Piazzi führen, auf denen die Gastronomen der Stadt die feinsten Gerichte, wie bspw. das traditionelle ‚Coniglio alla Ligure‘, das ligurische Kaninchen, servieren.
Was Noli aber ebenfalls hat, ist ein sehr langer Kieselstrand, der nicht nur zum ausgiebigen Baden einlädt, sondern am dem die Fischer des Ortes tatsächlich Abend für Abend noch mit ihren kleinen Fischerbooten und Netzen hinausfahren, um am nächsten Tag die fangfrischen Fische direkt an der Promenade zu verkaufen. Einen Tag in Noli sollte man unbedingt an der ligurischen Küste einplanen.
Auf dem Weg nach Portofino

Hat man Genua passiert, befindet man sich bereits im Küstenabschnitt der Riviera Levante. Bevor man nach Portofino kommt, führt der Weg vorbei an vielen bezaubernden Buchten und Stränden, die zum Baden einladen. Die allermeisten davon sind allerdings schlecht zugänglich. Entweder weil sie über keine Publikumsparkplätze verfügen oder aber direkt zu einem Luxushotel gehören. Macht aber nichts. Zuschauen ist eben manchmal auch schön.
Vernazza – ein Dorf der Cinque Terre

Wenn man etwas später das Naturschutzgebiet ‚Parco Nazionale delle Cinque Terre‚ erreicht, ist der Weg bis nach Vernazza nicht mehr weit. Als eines der fünf Cinque Terre-Dörfer verfügt es über einen kleinen Sandstrand, den sich die Besucher mit den kleinen Fischerbooten teilen müssen. Immerhin ist der Weg zur nächsten Bar oder zum nächsten Restaurant nicht mehr weit, denn der Strand liegt praktischerweise direkt an der kleinen ‚Piazza Marconi‘. Baden vor so bezaubernder Kulisse ist jedenfalls etwas ganz Besonderes.
Die Bucht von La Spezia

Kurz bevor man dann das Ende der der italienischen Riviera und damit auch das Ende der ligurischen Küste erreicht, befindet sich ein sehr bedeutender kleiner Fischerort am Eingang des Golfes von La Spezia. Portovenere mit seinen vorgelagerten Inseln, Palmeria, Tino und Tinetto sowie des etwas außerhalb gelegenen Strandes ‚ Spiaggia dell’Olivo‚ laden mit direktem Blick auf die ankernden Segelschiffe und die vorgelagerten Austernbänke zum Baden in türkisblauem Wasser ein.
Diese Region hatte schon früh bedeutende Dichter und Denker inspiriert, wie bspw. Dante Alighieri, Lord Byron, Charles Dickens, Henry James und Virginia Woolf, die sich von der Schönheit der Landschaft und der Atmosphäre des Ortes angezogen fühlten. Ein Grund dafür warum die Region u.a. auch den Namen ‚Golf der Poeten‘ – ‚Golfo dei Poeti‚ erhielt.
Gut zu wissen
Wenn man schließlich La Spezia erreicht, so hat man eine der bezauberndsten Regionen Italiens sehen und erleben dürfen. Sicherlich wird nicht jeder die gesamten 300 km Strecke in einem Stück bereisen wollen. Das ist auch nicht nötig. Denn wer bei diesem Artikel nun auf den Geschmack gekommen ist, der kann die italienische Riviera, bzw. die ligurische Küste in unserem Reiseführer ‚NORDITALIEN – Eine Rundreise‚ noch einmal genauer erläutert finden. Darin enthalten sind neben zahlreichen Informationen und unzähligen persönlichen Tipps zu den schönsten Küstenorten zwischen Savona und La Spezia auch viele Ideen und Reisetipps zu Turin, Mailand und dem Comer See. In Summe macht das eine reizvolle Rundreise.
Im unserem zweiten Reiseführer, dessen Recherche gerade abgeschlossen wurde und dem wir nun unter Hochdruck arbeiten, wird dann der zweite Teil von Savona bis Ventimiglia zu finden sein. Dies dann in Kombination mit der Côte d’Azur und ebenso vielen Reisetipps zu faszinierenden Orten wie Cannes, Nizza, Antibes, Menton und vielen Weiteren.
Na, wenn das nicht Spaß aufs Nachreisen macht!
